Ende einer Nachkriegsmoderne

Zerstörung
Am 23. Februar 1945 wurde Pforzheim durch einen verheerenden Luftangriff der britischen Royal Air Force (RAF) fast vollständig zerstört. Der Angriff dauerte von 19:52 bis 20:15 Uhr. In diesen 23 Minuten verloren fast 18.000 Menschen ihr Leben – etwa einDrittel der damaligen Bevölkerung. Die historische Innenstadt wurde fast vollständig zerstört. Im gesamten Stadtgebiet wurden zwei Drittel der Gebäude vernichtet.
Das Ziel der alliierten Operation Clarion“ war es, das Schienennetz und die lokale Industrie zu zerstören, die kriegswichtige Präzisions- und Rüstungsteile produzierte.

Wiederaufbau
Die Stadtplanung entschied sich für eine radikale Neugestaltung. Die alte, verwinkelte Struktur wurde vollständig beseitigt. Die neue Stadt sollte modern und funktional mit klaren Achsen für den Autoverkehr gestaltet werden. Die Innenstadt wurde nach den städtebaulichen Konzepten der Charta von Athen neu strukturiert.
Dieses Manifest der modernen Stadtplanung wurde 1933 während des 4. Internationalen Kongresses für Neues Bauen (CIAM) auf einem Mittelmeerdampfer vor Athen formuliert und 1941 veröffentlicht. Darin wird die Abkehr von den historisch gewachsenen, engen Städten des 19. Jahrhunderts propagiert. Die urbanen Grundfunktionen Wohnen, Arbeiten, Erholen und Verkehr sollten strikt getrennt werden. Hochhäuser wurden bevorzugt, da sie weniger Grundfläche verbrauchen und mehr Platz für Parks und breite Straßen lassen.
Ab Mai 1947 begann die Enttrümmerung. Die gewaltigen Schuttmassen wurden zum größten Teil im Südwesten der Stadt aufgeschüttet. Der Wallberg dient heute als Mahnmal.

Nachkriegsmoderne
Nun prägte die nüchterne, sachliche und schmucklose Architektur des „Brutalismus“, des „béton brut“, das Stadtbild: unverputzter Sichtbeton, geometrische Blockhaftigkeit, offengelegte Konstruktion und Funktionalität.
In den 1940er und 1950er Jahren entstanden flache Ladenzeilen, die Leichtigkeit und wirtschaftlichen Aufschwung symbolisieren sollten. Kirchen wie die Matthäuskirche von Egon Eiermann im Stadtteil Arlinger oder die Auferstehungskirche von Otto Bartning in der Südweststadt wurden aus Beton und mit Trümmerteilen errichtet. Das Neue Rathaus markiert 1973 den architektonischen Schlusspunkt des Wiederaufbaus.
Die brutalistischen Bauten galten als Symbole des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufbruchs. Doch der graue Beton wirkte trist, kalt oder gar menschenfeindlich und gerieten in Verruf. Historiker und Denkmalschützer schätzen die Gebäude als wertvolle Zeitdokumente. Bürgerinnen und Bürger trauern um das historische Stadtbild.
Der Wiederaufbau sicherte die wirtschaftliche Existenz der Schmuck- und Uhrenstadt. Er brachte sie aber als eine der „hässlichsten Städte Deutschlands“ in Verruf.

Das Alte Technische Rathaus
Das Gebäude wurde in den Jahren 1968 bis 1970 nach den Plänen des Architekten Heinrich Scheuermann im Stil des Brutalismus errichtet.
Nach langen Debatten entschied der Gemeinderat am 18. Februar 2014, das Gebäude der Nachkriegsmoderne aufzugeben und es im Rahmen des städtebaulichen Projekts „Schlossberghöfe“ in unmittelbarer Nähe neu zu bauen. Diese Entscheidung war politisch und gesellschaftlich umstritten. Die Architektenkammer Baden-Württemberg bemängelte, dass die Abrissgenehmigung aufgrund von Umplanungen des Projekts „Schlossberghöfe“ ihre Grundlage teilweise verloren habe.
Der Bau war mit Schadstoffen wie Asbest belastet. Brandschutz und energetische Standard waren nicht gegeben. Eine Generalsanierung hätte Unsummen verschlungen.
Im März 2025 wurde die Nutzung eingestellt. Die Ämter zogen in das Neue Technische Rathaus um.

Quartier fürs Leben
Das Areal mit rund 30.000 Quadratmetern um den Schlossberg wird neu geordnet. Ein modernes Quartier mit ca…….. 140 Wohnungen, Einzelhandel, Gastronomie, zwei Kindertagesstätten, drei Tiefgaragen, Verwaltungsgebäuden und einem Kulturraum für öffentliche Veranstaltungen soll entstehen.
Das Technische Rathaus mit einer Kindertagesstätte, dem Kulturraum und Gewerbeflächen wurde im Frühjahr 2025 bezogen.
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Die nächste Geschichte: Sonderbar
Zinken eines Bagger sehen aus wie Gänseköpfe – eine versperrte Tür, die für die Feuerwehr freigehalten werden muss – ein Hauseingang ohne Treppe, die meterhoch über der Straße liegt



