Lofoten – das magische Inselreich

Naturerlebnis im Norden Europas

Schon der Anflug auf den Flughafen Harstad-Evenes ist ein Erlebnis: Um die schroffen Berggipfel schweben Wolken. Die Sonne zaubert Licht und Schatten auf die Hänge. Der Anblick ist magisch.

Die Region Lofoten besteht aus ca. 80 Inseln. Die größten Inseln heißen Austvågøya, Vestvågøya, Flakstadøya, Moskenesøya, Skrova und Store Molla. Die Europastraße 10 führt vom südlichsten Ort,  Å i Lofoten, durch Tunnel und Brücken bis zur schwedischen Grenze.

Die Reise beginnt in der Kulturstadt Harstad auf der Insel Hinnøya im Nordosten. Sie gehört nicht zur Inselgruppe der Lofoten. Das benachbarte Trondenes war über Jahrhunderte hinweg die äußerste Verteidigungslinie und das religiöse Zentrum des christlichen Norwegen. Die kleine Sildpollnes-Kapelle im Austnesfjord ist für Touristen nicht zugänglich. Eine Aussichtsplattform in der Nähe bietet eine grandiose Sicht auf den Fjord.

Svolvær gilt als das Tor zu den Lofoten. Der atemberaubende Trollfjord ist von hohen Bergen umgeben, die fast senkrecht aus dem Wasser ragen. Kabelvåg ist der älteste Fischerort der Lofoten.

Henningsvær hat einen der berühmtesten Fußballplätze der Welt. Die Stadt Leknes ist das Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum der Lofoten. Perlweiße Sandstrände und glasklares, türkisfarbenes Wasser treffen auf dramatische Bergketten. Reine dürfte das berühmteste Fischerdorf der Inselgruppe sein. In Å i Lofoten endet – oder beginnt – die Europastraße 10.

Das Gebiet der heutigen Kommune Vågan war im Frühmittelalter ein Machtzentrum der Wikinger. Museen erzählen über das harte und entbehrungsreiche Leben der Lofotfischer. Die Etablierung der Postschiffe Hurtigruten führte zu einer enormen wirtschaftlichen Entwicklung.

Wie Lofoten entstand

Um die Inselgruppe der Lofoten ranken sich viele Mythen und Sagen. Sie erklären die Natur und warnen vor Gefahren. Die Wikinger glaubten an eine komplexe Götterwelt. Geschichten erzählen, war in den langen, eisigen Wintermonaten eine wichtige Form des Zeitvertreibs.

Die wissenschaftliche Erklärung, wie die Lofoten entstanden sind, ist nicht weniger faszinierend.

Der Sage nach

hatte sich der Troll Hestmannen in die schöne Fee Lekamøya verliebt, die jedoch nichts von ihm wissen wollte. Er wollte sie töten und schoss mit einem Pfeil auf sie. Doch Trollkönig Torghatten warf seinen Hut in die Flugbahn des Pfeils. Dieser verfehlte sein Ziel und schlug das berühmte Loch in den Berg Torghatten. Kurz darauf ging die Sonne auf. Vom Sonnenlicht getroffen, versteinerten die Trolle und ihre Gefolgsleute. So wurden sie zu den Bergen und Inseln der Lofoten.

Die geologische Geschichte

ist ebenso spannend wie die Sage. Die spektakuläre Inselwelt besteht aus extrem hartem Gestein, das bis zu 3,5 Milliarden Jahre alt ist. Es bildete sich unter extremem Druck und großer Hitze im Erdinneren. Als die Kontinentalplatten vor etwa 400 Millionen Jahren kollidierten, wurde das Gestein nach oben gedrückt. Während der Eiszeiten formten und schliffen Gletscher das uralte Gebirge. Eisströme gruben tiefe Täler und modellierten die Fjorde.

Die Wikinger

Das Lofotr Vikingmuseum in Borg ist ein interaktives Freilichtmuseum. Die Ausstellungshalle zeigt Schmuck, Werkzeug, Waffen und andere Ausgrabungsstücke. Im großen Langhaus wird der tradionelle Lammeintopf Vikingtallerken serviert.

Auf dem See in der Nähe kann ein Wikingerboot gemietet werden.

Wohnhalle mit stilisierter Weltenesche Yggdrasil im Viking Lofotrmuseum
Wohnhalle mit stilisierter Weltenesche Yggdrasil

Ein zufälliger Fund

Der Bauer Frik Harald Bjerkli fand in Borg zufällig Ton- und Glasscherben und seltene Keramik als er seinen Acker umgrub. Bei den darauf folgenden Ausgrabungen wurde ein Langhaus der Wikinger entdeckt. Es wurde nachgebaut und als Museum konzipiert, das anschaulich über die Geschichte und Lebensweise der Wikinger informiert.

Ende der Wikingerherrschaft

Fast 400 Jahre lang herrschten die mächtigen Wikinger im Norden Norwegens. In Borg befand sich ein regionaler Sitz mit etwa 100 Höfen und rund 1.800 Bewohnern. Sie trieben regen Handel mit Ländern des europäischen Kontinents. Der letzte Herrscher von Borg, Olaf Tvennumbruni, verlor die Kämpfe mit anderen Herrschern und dem ersten norwegischen König Harald Schönhaar um Macht, Unabhängigkeit traditionellen Rechte. Um sich nicht unterwerfen zu müssen, floh er um das Jahr 900 n. Chr. nach Island.

Das Langhaus

Das Gebäude ist 83 Meter lang. Es besteht aus einer Wohnhalle, die unter anderem für repräsentative Zwecke genutzt wurde, einem Wohn- und Schlaftrakt, einem Viehstall und einem Vorratshaus für Lebensmittel und Handelswaren.

In der Wohnhalle steht die stilisierte Weltenesche Yggdrasil. In der nordischen Mythologie ist sie das Zentrum des Universums und verbindet neun Welten: Asgard, die Heimat der Götter, Midgardschlange, die Heimat der Menschen, Helgard, das Totenreich, Wanaheim, das Reich der Götterfamilie für Fruchtbarkeit und Magie, Alsheim, die Heimat der Lichtalfen, Jötunheim, das Reich der Riesen, Niflheim, die unterirdische Welt der Zwerge, und Mispelheim, die Heimat des Feuerriesen Surt.

Die Wikinger trugen übrigens keine Helme mit Hörnern, wie sie in Hollywood-Filmen oft zu sehen sind. Erfunden hat sie Carl Emil Doepler für Richard Wagners Opernzyklus „Die Nibelungen“.

Lofotfischer

Der norwegische Bildhauer Per Ung schuf die Bronzefigur der Fischerfrau „Fiskarkona“. Sie steht in der Hafeneinfahrt von Svolvær auf der Felsnase der Insel Svinøya. Die Statue symbolisiert die Frauen, die auf die Rückkehr ihrer Männer warten. Im Winter zogen sie aus, um Kabeljau zu fangen. Viele kehrten nicht zurück und blieben im Meer.

Holzgestelle zum Fischtrocknen, Svolvær
Holzgestelle zum Fischtrocknen, Svolvær

Harte Lebensbedingungen

Wenn im Winter der Kabeljau (Skrei) zum Laichen in die Gewässer vor den Lofoten schwamm, kamen die Lofotfischer in offenen Booten bei eisigen Temperaturen aus allen Teilen des Landes.

Ihr Leben war hart. Bis zu 20 Männer lebten während der Fangzeit in kleinen Holzhütten, den Rorbuern. Sie waren feucht, zugig und kaum beheizt. Während ein Teil der Männer schlief, reparierten andere die Netze oder bereiteten Essen zu. Sie trugen wochenlang die gleiche Kleidung.

Jeder Fischer besaß eine Truhe, in denen sie ihre wenigen Habseligkeiten und ein Testament aufbewahrten. Das war Pflicht. Denn die Arbeit bei Wind und Wetter war gefährlich. Arktische Stürme ließen die Boote leicht kentern. Viele kamen nicht zurück. Der Nachlass musste geregelt sein.

In seinem Roman „Die Lofotfischer“ beschreibt der Autor Johan Bojer die Gefahren auf dem Meer:

„Konnte der Sturm noch schlimmer werden? Es war, als berste der rauchende Himmel in großen Rissen, aus denen Feuer hervor züngelte. Die langen, gelben Unwetterlichter am Himmel warfen seltsame Flammenstreifen auf das rauchende Meer. Wenn sie auf einen Wellenkamm hinauf pflügten und von der rasenden Fahrt der Wogen mitgerissen wurden, dann schien das Boot selber sich aus dem Meer emporzuheben und in der Luft zu fliegen.

Lebenselixier Lebertran

Aus der Leber der Fische wurde Lebertran gewonnen. Es war eine schmutzige und geruchsintensive, aber finanziell lohnende Arbeit. Die Lebern wurden in Holzfässern gesammelt. Im Laufe einiger Wochen stiegt das goldgelbe Öl an die Oberfläche und konnte abgeschöpft werden. Je länger die Organe gelagert wurden, umso zäher, dunkler und übelriechender wurde das Öl. Der braune Tran wurde als Lampenöl verwendet oder um Stiefel zu imprägnieren.

Der norwegische Apotheker Peter Möller entwickelte im Jahr 1853 eine neue Methode, Lebertran herzustellen. Die Lebern wurden in Kupferkesseln mit Wasserdampf erhitzt. Die Fettzellen verflüssigten sich und konnte mit Tüchern gefiltert werden. Der Lebertran bekam einen milden Geschmack und wurde als „Möllers Lebertran“ weltberühmt. Er enthält Omega-3-Fettsäuren und die Vitamine A, E und D. Er gilt als universelles Stärkungsmittel für Knochen, Augen und Gefäße. In den Hotels auf den Lofoten steht Möllers Lebertran auf dem Frühstücksbuffet.

Lofotfischerei heute

Die Lofotfischerei heute ist hochtechnisiert und streng reguliert, um Überfischung zu verhindern. Die norwegische Regierung vergibt Fangquoten an die Fischer. Geblieben sind die Holzgestelle, an denen die Fische zum Trocknen aufgehängt werden.

Der ganze Fisch wird verwertet. Traditionell entfernen Schulkinder die Zungen der Fische, die als Delikatesse gelten. Die Fischköpfe werden nach Nigeria verkauft. Dort werden sie als wertvolle Zutat für Speisen verwendet. Kleinere Köpfe werden zu Tierfutter zermahlen.

Die Hurtigruten

Für die Menschen auf den Lofoten war Fisch das tägliche Brot. Mit selbst angebautem Gemüse, Fleisch von Schafen, Beeren und Eiern von Seevögeln konnte der Speiseplan etwas ergänzt werden.

Die Erfindung der Postschiffe, die Hurtigrutendie schnelle Route, revolutionierte das Leben entlang der norwegischen Westküste.

Büste von Kapitän Richard Wirth vor dem Hurtigruten Museum, Stockmarknes
Büste von Kapitän Richard Wirth vor dem Hurtigruten Museum, Stockmarknes

Hurtigruten – Revolution auf See

Bis zum 19. Jahrhundert dauerte der Transport von Waren und Post von Trondheim nach Hammerfest mehrere Wochen. Im Winter war dies kaum möglich. Die damaligen Schiffe waren Jekten, einmastige Holzsegler ohne festes Deck, die Stürmen nicht standhielten.

Die Geburtsstunde der Postschiffe

Kapitän Richard Wirth wollte Abhilfe schaffen. Gemeinsam mit dem Seemann Andreas Holte entwickelte er präzise Seekarten, in denen Unterwasserfelsen, Strömungen und Untiefen verzeichnet waren, sodass eine Navigation auch bei Dunkelheit und Unwetter möglich wurde.

Die erste Hurtigrute, das Dampfschiff DS Vesterålen hatte einen Rumpf aus Stahl, dem selbst massiven Brecher und Treibeis nichts anhaben konnte. Die damals hochmoderne Dampfmaschine mit 500 PSi konnte das Schiff selbst bei schweren Stürmen und Strömungen auf Kurs halten. Die erste Fahrt am 2. Juli 1893 von Trondheim nach Hammerfest dauerte nur 67 Stunden. Für die damalige Zeit war dies eine Sensation.

Hurtigruten öffnen neue Lebensperspektiven

Fortan waren die Inseln nicht mehr isoliert und konnten mit Waren versorgt werden. Die Menschen konnten zum Festland reisen. Ihre medizinische Versorgung wurde besser. Auch frischer Fisch konnte transportiert werden. Neue Handelswege wurden erschlossen. Südeuropa wurde wichtigster Handelspartner für den begehrten Stockfisch. Der Handel mit europäischen Ländern lief über die Hanseatische Liga, die ab dem 14. Jahrhundert ein Handelsmonopol besaß. Von Bergen aus liefen Handelsverbindungen durch ganz Europa.

Im Hurtiguten Museum in Stockmarknes kann die MS Finnmarken aus dem Jahr 1956 besichtigt werden. Sie wurde 1993 nach 37 Dienstjahren aus dem Betrieb genommen. Sie konnte bis zu 585 Passagiere und 6 Autos transportieren.

Die Hurtiguten heute

Die klassische Route von Bergen nach Kirkenes wird weiterhin bedient. Die Schiffe transportieren vorwiegend Waren und Passagiere. Ein Großteil der Schiffe wurde bereits auf Hybrid- und Elektrotechnologie umgerüstet. Ab 2030 soll das erste emissionsfreie Schiff einsatzbereit sein. Einige Schiffe werden für Kreuzfahrten eingesetzt. Die Betreibergesellschaft Hurtigruten AS gehört zur Hurtigruten Group im Besitz eines internationalen Investorenkonsortiums. Die Havila Kystruten AS ist mit vier Schiffen Partner auf der klassischen Route.

Kabine in der MS Finnmarken, Hurtigruten Museum, Stockmarknes
Kabine der ersten Klasse
Lounge der ersten Klasse, MS Finnmarken, Hurtigruten Museum, Stockmarknes
Lounge der ersten Klasse
Autodeck der, MS Finnmarken, Hurtigruten Museum Stockmarknes
Autodeck
Rettungsboot der MS Finnmarken, Hurtigruten Museum, Stockmarknes
Rettungsboot
Foto eines Schiffskapitäns auf der Brücke der MS Finnmarken, Hurtigruten Museum, Stockmarknes
Foto eines Kapitäns auf der Brücke

Harstad – Kulturstadt des Nordens

Die drittgrößte Stadt Nordnorwegens mit rund 25.000 Einwohnern auf der Insel Hinnøya ist das strategische Tor zur Insel Vesterålen. Sie wird auch „Perle des Vågsfjord“ genannt, nach der rund 46 Kilometer langen und bis zu 20 Kilometer breite Meerenge in der Provinz Fylke Troms.

Über die E10 nach Lofoten

Über die Raftsundbrua gelangt man zur Inselgruppe der Lofoten. Die zweispurige Brücke überspannt den 26 Kilometer langen Raftsund, einer wichtigen Passage zwischen Svolvær und Stokmarknes.

Die Brücke verbindet die Inseln Hinnøya mit Austvågøya und damit die Vesterålen mit der Inselgruppe der Lofoten. Sie ist Teil der Europastraße 10 und wurde am 15. Oktober 1998 für den Verkehr freigegeben. Mit einer lichten Höhe von 445 Metern ist die Durchfahrt für die Hurtigruten und andere Schiffe möglich.

Harstads Hafen

Das historische Havnebygning (Hafengebäude) wurde im Jahr 1913/1914 aus Holz errichtet. Es brannte wenige Jahre später fast vollständig nieder. Auf dem massiven Fundament, das die Flammen überstanden hatte, wurde ein neues Gebäude nach einem Entwurf des lokalen Architekten Sigurd Bjørhovdeim im Jugendstil errichtet.

Bis in die 1950er Jahre war es das wichtigste Warendistributionszentrum für den regionalen Handel. Es diente als Anlaufstelle und Frachtlager für die Hurtigruten sowie für Fischer- und Handelsflotten. Heute ist dort die lokale Hafenverwaltung untergebracht.

Kunst und Kultur

Geht man die Hafenpromenade weiter, gelangt man zum schwimmenden Hafenbecken Dusk (Dämmerung), einem temporären Kunstobjekt mit einem leuchtend orangefarbenen Schriftzug. Das Architektur- und Kunstprojekt wurde vom Architekturbüro 70°N Arktitekur in Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern wurde im Rahmen der Festspillene i Nord-Norge (Festspiele Nordnorwegen) erschaffen. Der öffentliche Raum am Hafen sollte zum aktiven und lebendigen Treffpunkt für die Bürger werden.

Das Kulturhuset i Harstad

Das Kulturhaus Harstad, das kulturelle Herzstück der Stadt und der Region Süd-Troms, besteht aus den umgebauten Industriehallen der Bothners pølsefabrik (Bothner Wurstfabrik) und einem markanten Neubau. Der Storsalen (Große Saal) gilt akustisch und technisch als einer der besten Konzertsäle in Nordnorwegen. Das Gebäude beherbergt die Stadtbibliothek, das Forsvarets Musikkorps (Militärmusikkorp Nordnorwegen) und Büros von Kulturinitiativen. Angeschlossen ist das Clarion Collection Hotel Arcticus. Das Kulturhaus steht im Zentrum für die jährlichen Festspillene i Nord-Norge im Juni.

Die Anna Rogde im Hafen

ist das älteste, noch fahrende Segelschiff Norwegens. Es wurde 1878 in Stadlandet gebaut und als Frachtschiff für den Handel entlang der norwegischen Küste eingesetzt. Der Rumpf des Schiffes ist 22 Meter lang, mit dem Bugspriet sogar 33 Meter. Der Gaffelschoner ist ein faszinierendes Beispiel für die maritime Handwerkskunst des 19. Jahrhunderts. Heute wird er für Charterfahrten, Schulprojekte und historische Fahrten genutzt.

Für Bakgården (Hinterhof),

dem traditionellen Kultur- und Musikfestival im August, wird der Marktplatz Rikard Kaarbøs plass mit Wäscheleinen voller bunter Kleidungsstücke dekoriert. Diese Dekoration greift die nostalgische Atmosphäre alter europäischer Hinterhöfe auf, in denen die Menschen früher ihre Wäsche zum Trocknen aufhingen.

Die Werft Harstad Mekaniske Verksted (HAMEK)

im Stadtteil Samasjøen ist das Herzstück der lokalen Wirtschaft und einer der wichtigsten Dienstleister in Nordnorwegen. In ihrem Trockendock können Hochseeschiffe, Fischereifahrzeuge und Einheiten der Küstenwache aufgenommen werden. Um die Jahrtausendwende wurde eine überdachte Slipanlage gebaut. Diese ermöglicht es, auch im rauen arktischen Winter Reparaturen durchzuführen.

Trondenes – Bollwerk des Nordens

Die geschichtsträchtige Halbinsel liegt etwa drei Kilometer nördlich von Harstad. In der Wikingerzeit war sie ein Machtzentrum in Nordnorwegen. Hier begann die Besiedelung und die politische Macht der Wikinger.

Ihren Beinamen verdankt sie der historischen Funktion ihrer Kirche. Diese diente als strategische Grenzburg gegen den Einfluss der russisch-orthodoxen Kirche.

Demonstration der Segeltuchweberei

Trondenes Kirke

Die weiße Steinkirche ist die nördlichste mittelalterliche Steinkirche der Welt. Sie wurde um das Jahr 1435 fertiggestellt und liegt direkt am Meer. Im Mittelalter verlief dort die Grenze zu den damals heidnischen Gebieten im Norden. Sie war eine Bastion, umgeben von Festungsmauern, die teilweise noch erhalten sind. Die Anlage diente dem Schutz vor Plünderungen durch Seeräuber, russische Angreifer und Karelier, einem finno-ugrischen Volk aus dem Grenzgebiet zwischen Nordosteuropa und Nordwestrussland.

Berühmt ist die Kirche für ihre reiche Innenausstattung mit drei gotischen Flügelaltären. Bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass zuvor zwei hölzerne Stabkirchen an dieser Stelle standen. Die ältere stammt aus dem 11. Jahrhundert, als die norwegischen Könige die Christianisierung anstrebten.

Trondenes Historiske Senter

In der Nähe der Kirche befindet sich ein modernes Geschichtszentrum. Es informiert über mehr als 2.000 Jahre Regionalgeschichte – von der Steinzeit über die Zeit der Wikingerhäuptlinge bis zur dunklen Epoche der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Der Weg zu diesem Teil der Ausstellung führt durch einen Durchgang. Wenn man ihn betritt, ertönt ein Fliegeralarm.

Ein Bereich ist dem Kriegsgefangenenlager gewidmet. Ein großes Wandbild zeigt das damalige Barackenlager Fangeleiren bei der Kirche von Trondenes. Tausende sowjetische Kriegsgefangene litten unter grausamen Bedingungen. Hunderte starben. Eine Wand ist vollständig mit Nachbildungen von Identifikationskarten der gefangenen Soldaten bestückt, um die Erinnerung an sie aufrechtzuerhalten.

Segeltuch für Wikingerschiffe

Im Foyer des Museums demonstriert eine Frau die aufwändige Herstellung von Segeltuch. In der Wikingerzeit spielten Frauen eine ökonomisch und strategisch entscheidende Rolle. Ohne ihre Arbeit am Webstuhl hätte kein Wikingerschiff jemals in See stechen können. Die Textilproduktion war der eigentliche Motor für die Expansion der Wikinger.

Für ein Segel eines Langschiffs wurde die Wolle von bis zu 1.000 Schafen benötigt, die in monatelanger Handarbeit gesponnen und verwebt wurde. Die Frauen behandelten die Segel mit einer Mischung aus Fett, Fischöl, Ochsenblut und Teer, um sie wind- und wasserdicht zu machen.

Trondenes Middelaldergård

Zum Museum gehört ein mittelalterlicher Bauernhof, der auf der Grundlage historischer Funde nachgebaut wurde. Das Haupthaus Årestue hat eine offene Herdstelle im Boden. Es gab keine Schornsteine. Der Rauch zog durch ein Loch im Dach ab.

Zu sehen sind auch eine rekonstruierte kleine Stabkirche, Werkstätten und Lagerräume. Wer will, kann sich im Bogenschießen versuchen.

Sildpollnes-Kapelle

Die kleine weiße Holzkirche mit dem roten Dach steht auf der Halbinsel Sildpollneset in der Nähe von Laupstad im Austnesfjord auf der Insel Austvågøy, etwa 17 Kilometer nördlich von Svolvær. Sie wurde 1891 als Gebetshaus errichtet und diente als religiöses Versammlungshaus. Die Gemeinde wuchs. Deshalb wurde das Gebäude erweitert. Am 19. Juni 1960 wurde es geweiht und zur Kapelle der norwegischen Staatskirche erklärt.

Das Design

Ihre Außenwände bestehen aus vertikalen, weiß gestrichenen Holzpaneelen, ihr Dach aus verzinktem, rot lackiertem Stahl. Nur der kleine Kirchturm des Vorbaus ist mit schwarzer Pappe gedeckt. Im Inneren zeigt das Altarbild Jesus im Garten Gethsemane des norwegischen Glas- und Kirchenmalers Jardar Lunde. Darunter steht „våk å be” (wachet und betet).

Die Lage

Die Halbinsel liegt im Austnesfjord. Die zerklüftete Bergkette ist ein Teil des Higravstindan-Massivs. Die Kirche wurde absichtlich auf der Landzunge errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts gab es kaum Straßen. Die Menschen benutzten hauptsächlich Boote als Fortbewegungsmittel. Die Halbinsel Sildpollneset lag geografisch zentral im Fjord und war für die Fischer aller umliegenden Siedlungen gut über das Wasser erreichbar. Erst mit dem Ausbau des Straßennetzes geriet sie ins Abseits.

Auf der östlichen Seite des Austnesfjords ist das Gebirge Lofotveggen, zu dem der Higravstindan gehört. Er ist mit 1161 Metern der höchste Gipfel der Lofoten. In nordwestlicher Richtung befindet sich der Kvittinden.

Für Touristen nicht zugänglich

Touristen ist der Zugang zur Kapelle nicht möglich. Der einzige Weg dorthin führt über einen privaten Campingplatz. Der Betreiber gestattet keinen Durchgang. Abgesehen davon leidet die Region unter dem starken touristischen Ansturm mit Wohnmobilen und Campern. Die Infrastruktur des Ortes ist für diese Menschenmenge nicht ausgelegt.

Svolvær – Tor zu den Lofoten

Im 16. Jahrhundert lebten die Menschen hauptsächlich vom Fischfang und von der Viehzucht. Im 19. Jahrhundert begann durch das Værøy-System der wirtschaftliche Aufstieg. Dabei besaß eine einzige Person oder Familie ein Fischerdorf mitsamt Land, Häusern, Kaianlagen und Fabriken. Im Jahr 1828 erwarb Gunnar Berg die Hälfte von Svolvær. Er errichtete Kaianlagen und betrieb den ersten Laden auf der Insel Svinøya.

„Er (der Fischer) ist der Sklave, den Handelsmann und Banken, Aufkäufer und Großhändler hier und in fremden Ländern ausschicken, um ihnen die Fische an Land zu holen. Und Banken und Handelsleute werden reich, Fischaufkäufer und Großhändler werden reich, der Platzkänig ist reich, aber einer bleibt Zeit seines Lebens arm, und das ist der Fischer.“

aus: Johann Bojer, Die Lofotfischer

Heute ist Svolvær ein modernes Zentrum für Kultur, Wirtschaft und Tourismus. Mit rund 4.700 Einwohnern ist die Stadt das Verwaltungszentrum der Inselgruppe Lofoten.

Rorbuer

Im Winter reisten Fischer aus ganz Norwegen an, um in Svolvær Fisch zu fangen und zu verkaufen und sich mit Vorräten einzudecken. Bis zu 20 Fischer lebten monatelang auf engstem Raum in den kleinen Holzhütten, in denen sie kochten, schliefen und ihre Netze reparierten.

Heute sind die Hütten komfortabel eingerichtet und werden an Touristen vermietet.

Hjeller – Holzgestelle zum Trocknen von Fisch

Die Köpfe und Innereien der Fische werden entfernt. Dann werden sie paarweise an den Schwanzflossen zusammengebunden und an den Holzgestellen aufgehängt. Dass der Kabeljau monatelang dort hängen kann, ohne zu verfaulen, liegt am einzigartigen Klima der Lofoten. Während der Trockenzeit von Februar bis Mai liegt die Temperatur um den Gefrierpunkt – zu kalt für Bakterien und Fliegenlarven, zu warm, um zu gefrieren. Der arktische Meereswind trocknet die Fische. Sein Salzgehalt sorgt für die Konservierung. Dadurch haben Fäulniserreger keine Lebensgrundlage.

Und die Möwen? Mit ihren Schwimmhäuten zwischen den Zehen finden sie auf den dünnen Stangen der Holzgestelle keinen Halt und können nicht landen. Wenn der Fisch getrocknet ist, ist er zu hart für sie.

Magic Ice Lofoten

In der Nähe der Anlegestelle für die Hurtigruten befindet sich die weltweit bekannte Attraktion Magic Ice Lofoten, eine Kunstgalerie und Bar aus Eis. Innen herrschen Minusgrade. Deshalb erhält man am Eingang einen warmen Poncho und Handschuhe. In der Bar stehen Skulpturen und Schnitzereien aus Eis. Sie erzählen vom Leben der Fischer auf den Lofoten, von Wikingern und von der arktischen Natur. Es gibt auch eine Eisrutsche. Die Szenerie wird mit Lichteffekten beleuchtet. Auch die Gläser, in denen die Drinks serviert werden, sind aus Eis.

Lofoten Krigsminnemuseum

Das Lofoten Kriegsmuseum, das sich in der Nähe des Hafens befindet, beherbergt eine der größten Sammlungen von Uniformen, Artefakten und persönlichen Gegenständen aus dem Zweiten Weltkrieg. Es informiert über die Ereignisse in der Region, die strategische Rolle Nordnorwegens und das Schicksal der Bevölkerung. In einem Raum wird die spektakuläre britische Kommandoübernahme „Operation Claymore” im März 1941 gezeigt. Zu sehen sind die Flaggen des Schlachtschiffs Tirpitz und des schweren Kreuzers Blücher, der im Oslofjord versenkt wurde. Außerdem sind viele Alltagsgegenstände, geheime Dokumente des norwegischen Widerstands und Kuriositäten ausgestellt. Zudem wurde ein Gestapo-Verhörzimmer nachgebaut.

Der Gründer des Museums, der 1948 geborene norwegische Geschäftsmann und passionierte Militaria-Sammler William Hakvaag, trug über Jahrzehnte Uniformen, Dokumente, Fotografien und Alltagsgegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Am 15. Juni 1996 eröffnete er das Museum.

Trollfjord, Lofoten, Norwegen
Trollfjord – einer der schönsten Fjorde Norwegens

Trollfjord

Der etwa drei Kilometer lange Seitenarm des Raftsunds bildet die geografische Grenze zwischen den Inselgruppen der Lofoten und der Vesterålen. Seine Felswände ragen fast senkrecht empor und erreichen im Süden am Gipfel des Trolltindan eine Höhe von 1.084 Metern. Für Schiffe ist es Zentimeterarbeit, die Engstelle von etwa 100 Metern Breite zu passieren. Fast kann man die Felswände berühren.

Die Schlacht im Trollfjord (Trollfjordslaget)

Am 6. März 1890 kam es zu einem erbitterten Verteilungskampf zwischen den traditionellen Fischern und den großen Reedereien. Ein gigantischer Schwarm Skrei war in den Fjord geschwommen. Vier Dampfschiffe der Reedereien versperrten den einheimischen Fischern mit riesigen Senknetzen die nur 100 Meter breite Zufahrt zur Fjordmündung, um den „Kabeljauschatz“ allein abzufischen.

Rund 5.000 Fischer belagerten mit ihren kleinen, offenen Holzbooten die Fjordmündung. Für sie ging es um ihre Existenz. Sie enterten die Dampfschiffe und attackierten die Besatzung mit Messern, Rudern und Bootshaken. Diese wehrte sich, indem sie die Fischer mit heißem Wasser verbrühte. Die wütenden Männer in ihren Ruderbooten überrannten die Dampfschiffe schließlich. Die Reeder gaben nach und öffneten die Netze. So hatten die Fischer die Blockade durchbrochen und sich den Zugang zum Fisch erkämpft. Es gab keine Toten, aber viele Verletzte.

Im darauffolgenden Jahr änderte die Regierung das Lofot-Gesetz: Moderne Senknetze und die gewerbliche Fischerei mit Dampfschiffen wurden während der winterlichen Kabeljau-Saison auf den Lofoten verboten. Damit wurde die Existenz der traditionellen Fischer gesichert.

In seinem Buch „Die Lofotfischer” beschreibt Johann Bojan die Schlacht im Trollfjord:

Aber der Großfischer hatte sich auf Verteidigung vorbereitet, sie hatten Schläuche mit Mengen kochendem Wassers bereit, Sie spritzten gerade in die Gesichter hinein, die Männer taumelten wieder zurück, mehrere stürzten ins Wasser und mußten herausgezogen werden – neues Geheul, Gejammer und Gebrüll ertönte.

Kabelvåg – Wiege der Lofoten

Piratenschiff im Hafen von Kabelvåg, Lofoten, Norwegen
Piratenschiff im Hafen von Kabelvåg
Innenraum der Vågan-Kirche, Kabelvåg, Lofoten, Norwegen
Innenraum der Vågan-Kirche

Der Aufstieg

König Øystein I. Magnusson erkannte das wirtschaftliche Potenzial der Lofot-Fischerei. Anfang des 12. Jahrhunderts ließ er für die Fischer Rorbuer errichten, damit sie während der Fangsaison eine Unterkunft hatten.

Bis zum 14. Jahrhundert war der Hafen der wichtigste Umschlagplatz für Stockfisch. Der Hansebund in Bergen kaufte riesige Mengen davon und exportierte sie nach ganz Europa. König Øystein ließ die erste Kirche der Lofoten erbauen. Bis 1282 besaß der Ort sogar ein eigenes Gesetzbuch.

Der Wandel zu Kabelvåg

Veränderte Handelsrouten oder die Pest mögen dazu geführt haben, dass Vågar seine Bedeutung verlor und zu Kabelvåg wurde. Der Name setzt sich aus den Begriffen „Kapelle” (kabel) und „Bucht” (våg) zusammen. Bis zum 19. Jahrhundert war der Ort das größte Fischerdorf der Lofoten und galt als deren informelle Hauptstadt. Im späten 19. Jahrhundert wurde er jedoch vom moderneren Svolvær überflügelt.

Kunst und Kultur

Auf dem mittelalterlichen Marktplatz in der Bucht Storvågan informiert das Lofotmuseet über das harte Leben der Lofot-Fischer. Im Lofotakvariet (Aquarium) können die berühmten Kabeljaus beobachtet werden. Im Außenbecken tummeln sich Robben und Otter. Im Ort ist die Nordland Kunst- und Filmhochschule ansässig. Rund um den Marktplatz befinden sich die Glasbläserei Lofoten Glass und andere Handwerksbetriebe, Kunstgalerien und Cafés.

Die Galleri Espolin ist dem bekannten norwegischen Künstler Kaare Espolin Johnson gewidmet. Der Maler, Grafiker und Illustrator schuf tief emotionale Werke, in denen er die gewaltigen Landschaften Nordnorwegens und das harte Leben der Lofoten-Fischer darstellte. Er war zeitlebens fast blind, konnte kaum Farben erkennen und entwickelte eine besondere Schabe- und Schichttechnik.

Vågan-Kirche – Die Lofoten-Kathedrale

Die Vågan-Kirche wurde im Jahr 1898 erbaut. Mit 1.200 Sitzplätzen ist sie die zweitgrößte Holzkirche Norwegens. Ihr Architekt war Carl Julius Bergstrøm. Die Einzelteile der Kirche wurden in Trondheim durch die Holzbaufirma Jacob Digre angefertigt und mit dem Schiff nach Kabelvåg gebracht. Dort wurden sie vor Ort zusammengesetzt.

Unweigerlich fragt man sich, wofür ein so kleiner Ort eine so große Kirche braucht. Der Grund dafür liegt in der Geschichte der Lofot-Fischerei. Zur Fangsaison im Winter reisten Zehntausende Fischer in die winzigen Dörfer der Lofoten. Ein königlicher Erlass aus dem Jahr 1895 schrieb vor, dass Pfarrkirchen mindestens ein Drittel der Gemeindebevölkerung aufnehmen mussten. Dazu zählten auch die saisonalen Fischer. Heute ist die Kirche für die Bevölkerung überdimensioniert, weshalb sie liebevoll „Lofoten-Kathedrale“ genannt wird.

Der helle Kirchenraum wirkt sehr einladend und warm. Einige der Gegenstände stammen aus den Vorgängerkirchen des Ortes. Der Altar wurde 1969/70 von dem Pfarrer und Kunstmaler Frederik Nicolai Jensen für die Vorgängerkirche geschaffen. Er zeigt Motive aus dem Garten Getsemane. In der Kirche wird auch die Christian-IV.-Bibel, eine seltene Bibel aus dem Jahr 1589, aufbewahrt.

Henningsvær – Venedig des Nordens

Das charmante Fischerdorf Henningsvær mit rund 500 Einwohnern liegt etwa 20 Kilometer südlich von Kabelvåg. Erzählungen zufolge wurde der Ort zur Blütezeit der Hanse von einem Mann namens Henning gegründet. Ob er ein Siedler, Händler oder Fischer war, ist nicht überliefert.

In den Steuerunterlagen des Jahres 1567 wurden erstmals Bewohner namentlich dokumentiert und ihre Steuerschulden festgehalten: Biørnn Olszenn und Oluf Bardorszen. Die Währung, mit der die Steuern bezahlt wurde, war Fisch.

Die besondere Lage

Der Ort erstreckt sich über mehrere östlich der Hauptinsel Austvågøya gelegene Inseln, die durch Brücken miteinander verbunden sind. Früher war Henningsvær nur mit Booten oder der Fähre erreichbar. Im Jahr 1983 wurde die 257 Meter lange Henningsværbrua eröffnet, die das Dorf mit Austvågøya verbindet. Aufgrund dieser Lage und der tiefblauen Farbe des Meeres wird Henningsvær auch als das „Venedig des Nordens“ bezeichnet.

Die Felsen und Schäreninseln aus Gneis, auf denen Henningsvær steht, sind rund 2,86 Milliarden Jahre alt. Das Gestein entstand durch starken Druck und hohe Temperaturen im Erdinneren. Es ist äußerst robust, witterungsbeständig und weist eine gebänderte Maserung auf.

Vom Fischerdorf zum Handelsplatz

Im Jahr 1770 erhielt der Ort die offizielle Erlaubnis, eine Herberge mit Ausschankrecht zu betreiben. Laut der Volkszählung lebten zu diesem Zeitpunkt allerdings nur vier Menschen dort. Die Siedlung wuchs jedoch rasant und entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Zentren für die Kabeljaufischerei auf den Lofoten.

Henningsvær Stadion

Das GEO-Magazin und andere Sport- und Reisemedien bezeichnen ihn als den schönsten, spektakulärsten oder außergewöhnlichsten Fußballplatz der Welt. Der Kunstrasenplatz liegt am südlichen Ende der kleinen Felseninsel Hellandsøya und ist von Meer, Bergen und den traditionellen Tørrfisk-Gestellen umgeben. Betreiber ist der örtliche Verein Henningsvær IL. Der Platz wird für den Amateursport genutzt und ist öffentlich zugänglich. Jeder kann ihn nutzen. Es gibt keine Zuschauertribünen. Wer ein Spiel verfolgen möchte, hält sich auf dem asphaltierten Streifen um das Spielfeld oder auf den umgebenden Felsen auf.

Kunst und Kultur

In den Trevarefabrikken wurden früher Kabeljau, Lebertran und Holz verarbeitet. Die Brüderpaare Mats und Andreas Alfsen sowie Martin und Andreas Hjelle aus Bergen entdeckten die leerstehende Fabrik bei einem Wanderurlaub auf den Lofoten im Sommer 2014. Sie kauften das Gebäude, das noch immer nach Lebertran roch, sanierten es in jahrelanger Eigenarbeit und machten es zu einem Kultur- und Hotelzentrum. Seitdem finden dort Konzerte, Clubnächte, Ausstellungen und andere Events statt.

Die Gallerie Lofotens Hus mit Galleri Harr ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen Nordnorwegens. Sie wurde im Jahr 1990 in einem ehemaligen Fischereibetrieb eröffnet. Die Galerie besitzt die größte Sammlung von Gemälden aus der Zeit um 1900 in Nordnorwegen. Zu den ausgestellten Meisterwerken zählen Werke von Künstlern wie Gunnar Berg, Otto Sinding und Adelsteen Normann, die das raue Leben der Fischer und die dramatische Natur der Lofoten in ihren Gemälden festgehalten haben, sowie Werke des in Norwegen bekannten Künstlers Karl Erik Harr. In dem ehemaligen Netz- und Gerätelager ist eine Ausstellung über den Lofotenfischfang zu sehen. In der Hauptgalerie ist auch ein originales Fischerboot ausgestellt.

Historischer Ortskern

Im Fjord liegen traditionelle Fischerboote. Hinter dem Dorf ragt die gewaltige Felswand des Festvågtind empor. Überall stehen die riesigen Holzgestelle zur Stockfischtrocknung, die im Frühjahr vollgehängt und im Sommer „geerntet“ werden. Mit etwas Glück trifft man auch einen Fischotter.

Der geschützte Hafen bildet das Herzstück des Dorfes. Entlang der Uferpromenade reihen sich bunte Holzhäuser, traditionelle Fischerhütten, kleine Handwerksbetriebe, Galerien sowie Cafés und Restaurants. Hier kann man Glasbläsern und Töpfern über die Schulter schauen. Die kleinen Geschäfte sind inhabergeführt. Der Ortskern wird von den bunten Rorbuer geprägt, die auf Pfählen im Wasser stehen.

Leknes – Herz der Lofoten

Leknes ist das wirtschaftliche und administrative Zentrum der Kommune Vestvågøy im Landesinneren mit rund 3.800 Einwohnern. Seit 2002 hat Leknes offiziell den Status einer Stadt. Als die Straßen- und Brückenverbindungen der heutigen Europastraße E10 ausgebaut wurden, liefen sie hier zusammen. Die Stadt entwickelte sich zu einem modernen Handelszentrum und ist heute das urbane Versorgungszentrum der Region.

Die für die Lofoten typischen Rorbuer sucht man in Leknes vergeblich. Stattdessen ist die Stadt Ausgangspunkt für Naturerlebnisse. In der Nähe befinden sich traumhaft schöne Strände. Im Winter ist Leknes perfekt, um Nordlichter zu bewundern.

Buksnes Kirke in Gravdal bei Leknes, Lofoten, Norwegen
Buksnes Kirke in Gravdal

Vom Wikinger-Zentrum …

Die Region ist seit rund 6.000 Jahren besiedelt. Die durch den Golfstrom ungewöhnlich fruchtbaren Böden ließen intensive Landwirtschaft zu. Über Jahrhunderte war der Ort ein Verbund aus landwirtschaftlichen Höfen und Siedlungen. Die Fischerei spielte nur eine untergeordnete Rolle.

Knapp 13 Kilometer nördlich von Leknes liegt Borg, ein ehemaliges Machtzentrum der Wikinger. Dort legten Archäologen ein Langhaus aus der Wikingerzeit frei, das als Lofotr Vikingmuseum rekonstruiert wurde. Leknes blieb auch nach dem Ende der Wikingerzeit landwirtschaftlich geprägt.

… zum regionalen Knotenpunkt

Im 20. Jahrhundert begann der Aufstieg zum regionalen Knotenpunkt. Die strategisch günstige, zentrale Lage auf den Lofoten führte dazu, dass hier die Straßen kreuzten und der Ort dadurch gut erreichbar wurde. Der 1972 eröffnete Flughafen gab dem Ort einen enormen wirtschaftlichen Schub. Leknes wurde zum Verwaltungssitz. Der Ort wuchs rasch. Immer mehr Dienstleister, Schulen, ein Krankenhaus und Einkaufszentren siedelten sich an. Im Jahr 2002 beschloss die Kommune, Leknes den Status einer Stadt zu verleihen.

Spektakuläre Landschaft

Die Landschaft um Leknes bietet eine der spektakulärsten Kulissen Norwegens: schroffe Berge, tiefblaue Fjorde und karibisch anmutende weiße Sandstrände. Die Umgebung ist im Vergleich zu anderen Orten der Lofoten überraschend grün, da sie flach ist und landwirtschaftlich genutzt wird. Sie wird von einer dramatischen Bergkette umrahmt.

Buksnes Kirke

Die im Dragestil (Drachenstil) erbaute rote Holzkirche steht im Dorf Gravdal in der Nähe von Leknes. Dieser Baustil kam Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Zuge des skandinavischen Nationalromantismus auf. Er greift Elemente der Wikingerkultur und der traditionellen Stabkirchen auf. Charakteristisch sind die stufenartigen Dachstrukturen und die Schnitzereien im Inneren. Die Kirche wurde nach einem Entwurf des Architekten Karl Norum gebaut und im November 1905 eingeweiht.

Arktische Karibik

Auf dem 68. Breitengrad, in der Höhe von Grönland, überrascht die norwegische Inselgruppe mit weißen Stränden und glasklarem, türkisfarbenem Wasser – ein exotischer, tropisch anmutender Anblick. Der weiße Sand besteht aus fein zermahlenen Muscheln und Korallen.

Die Lofoten werden ständig von Strömungen aus dem Nordatlantik umspült. Das Wasser in den flachen Buchten ist deshalb extrem sauber und klar. Es absorbiert die roten und gelben Lichtanteile. Das blaue und grüne Licht trifft auf den reinweißen Sand am Boden und wird reflektiert, sodass das Wasser leuchtend türkisfarben oder smaragdgrün erscheint. Selbst im Hochsommer wird es nicht wärmer als 14 °C. Wagemutige Schwimmer lassen sich davon jedoch nicht abschrecken.

Herzen am Uttakleiv-Strand, Lofoten, Norwegen
Herzen am Uttakleiv-Strand
Flakstad-Kirche, Lofoten, Norwegen
Flakstad-Kirche

Hauklandstranda

Er gilt als der berühmteste und am häufigsten ausgezeichnete Traumstrand der Lofoten. Reisejournalisten wählten ihn mehrfach zum schönsten Strand Europas. Er ist der Inbegriff der „Arktischen Karibik“.

Der Strand liegt nur zehn Kilometer von Leknes entfernt und ist in eine dramatische Kulisse aus arktischen Bergen eingebettet. Beliebte Sportarten am Haukland-Strand sind Kajakfahren und Stand-up-Paddling. Von hier aus kann man auf den Berg Mannen steigen oder zum nahegelegenen Uttakleivstranda wandern.

Uttakleivtunnelen

Wenn man weiter zum Uttakleiv-Strand fährt, führt die Straße durch den 792 Meter langen Uttakleivtunnel. Er durchquert das Bergmassiv Veggen und ist einspurig. Um dem Gegenverkehr vorbeizulassen, gibt es Ausweichbuchten.

Uttakleivstranda

Der Strand liegt nur rund 2,5 Kilometer vom Haukland-Strand entfernt. Er ist berühmt für seine einzigartige Kombination aus Sandstrand, runden Felsformationen und rauer arktischer Bergkulisse.

An der Küste wurde ein von der Natur als Herz fast perfekt geformter Stein balancierend auf einem Felsblock platziert. Häufig legen Besucher auf der Wiese direkt daneben auch ein großes Herz aus vielen kleineren Steinen.

Im Ort Uttakleiv hinter dem Strand leben 22 Menschen. Die Dorfgemeinschaft verwaltet den Strand, den Campingplatz und die Toilettenanlagen. Dafür hat sie kommunale Umwelt- und Kulturlandschaftspreise erhalten.

Flakstadstranda

Der Strand wird auch Rambergstranda genannt. Er liegt an der Europastraße 10 auf der Insel Flakstadøya, etwa 30 Kilometer von Leknes entfernt auf halber Strecke nach Reine. Er ist das Surf-Mekka der Inselgruppe und liegt direkt am Nordmeer. Deshalb ist der Strand ein beliebter Ort, um im Sommer die Mitternachtssonne und im Winter Polarlichter direkt über dem Wasser zu beobachten.

Er beginnt auf der nördlichen Straßenseite gegenüber der roten Kirche von Flakstad. Die weite Sandbucht zieht sich flach am Meer entlang bis zum benachbarten Ort Ramberg.

Flakstad Kirke

Der tiefrot gestrichene Holzbau in Kreuzform wurde im Jahr 1780 errichtet. An dieser Stelle standen seit dem Jahr 1430 mehrere Kirchen, die jedoch immer wieder durch schwere Stürme zerstört wurden.

Die Kirche wurde größtenteils aus russischem Treibholz erbaut. Der Sage nach stammte das Holz für eine frühere Kirche von einem schottischen Frachter, der vor der Küste strandete und russisches Holz geladen hatte.

Im Innenraum befinden sich wertvolle historische Stücke, darunter eine Kanzel aus dem Jahr 1766 und eine kunstvoll gestaltete Altartafel aus dem Jahr 1765, die beide vom Nürnberger Kirchenmaler Gottfried Ezechiel angefertigt wurden. Von der Decke hängt ein russischer Kronleuchter aus dem Jahr 1550, der mit dem Zaren-Doppeladler verziert ist.

Reine – das schönste Dorf der Welt

Reine ist wie die Lofoten aus dem Bilderbuch: rote Rorbuer, tiefblaue Fjorde und die schroffe Lofotenwand. Das rund 300 Einwohner zählende Dorf umschließt den malerischen Reinefjord. Es liegt auf der Insel Moskenesøy an der Europastraße 10, knapp 30 Kilometer von Flakstad und rund 64 Kilometer von Leknes entfernt.

Das norwegische Wochenmagazin Allers kürt den Ort in den 1970er Jahren zum schönsten Ort des Landes. Der Titel hat sich international etabliert.

Trockengestelle am Reine IL Fußballplatz, Lofoten, Norwegen
Trockengestelle am Reine IL Fußballplatz

Von der Fischerei zur Touristenattraktion

Der Ort wurde im Jahr 1743 gegründet. Die Einwohner lebten damals fast ausschließlich vom Fang und der Produktion von Stockfisch. Jeden Winter zieht der Skrei in riesigen Schwärmen aus der Barentssee zu den Lofoten, um dort zu laichen. Während der Wintersaison reisten Tausende Fischer an. Für sie wurden die roten und gelben Rorbuer direkt am Wasser auf Pfählen errichtet.

Die geschützte Lage im Reinefjord ließ den Ort schnell zu einem zentralen Handelsposten im Süden der Lofoten werden. Der Fischereihafen wird bis heute genutzt. Im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts hat sich das Dorf zu einem der bekanntesten Touristenzielen Norwegens entwickelt.

Spektakuläre Berge

Die Berge wurden durch Eis und Gletscher geformt. Sie ragen fast senkrecht aus dem Reinefjord empor. Ihre Grate sind messerscharf, ihre Gipfel spitz. Ihre Felswände bestehen aus Granit und Gneis. Nur im unteren Drittel und in den Tälern wächst Gras und Moos. Im Zentrum steht der Berg Ostinden. Er sticht durch seine pyramidenförmige Silhouette hervor und ragt wie ein Zahn in den Himmel.

Während der Eiszeit waren die Lofoten dick mit Eis bedeckt. Die zähfließenden Gletschermassen schabten das Gestein wie mit einem gigantischen Hobel ab. Die höchsten, messerscharfen Spitzen der Berge ragten wie Inseln aus dem Eisstrom heraus. Da sie nicht vom Eis flach geschliffen, sondern durch Frost zersplittert wurden, blieben sie so extrem spitz und schroff. Das tiefe Wasser vor den Bergen sind Gletschertäler, die nach dem Schmelzen des Eises vom Meer überflutet wurden.

Eine Wanderung auf den Reinebringen ist ein absolutes Highlight. Über eine Treppe mit fast 2.000 Steinstufen, die nepalesische Sherpas gebaut haben, gelangt man zum Gipfel. Dort wird man mit einer grandiosen Aussicht auf Reine, die Fjorde und die steilen Felswände belohnt.

Å i Lofoten – Museum am Ende der Welt

Das Dorf Å, wie es kurz genannt wird, liegt an der südlichsten Spitze der Insel Moskenes und gewährt einen stimmungsvollen Einblick in die Fischereigeschichte Norwegens. Das historische Fischerdorf mit rund 100 Einwohnern ist fast vollständig als Freilichtmuseum erhalten geblieben. Es besteht aus 23 rund 150 Jahre alten Gebäuden.

Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle des Ortes. Es gibt aber auch heute noch Fischer, die Kabeljau fangen und ihn im Frühjahr zum Trocknen auf den großen Holzgestellen aufhängen.

Nappstraumtunnelen, Lofoten, Norwegen
Nappstraumtunnelen

Besondere Herrschaftsverhältnisse

Das Dorf wurde im 19. Jahrhundert von den beiden Kaufmannsfamilien Ellingsen und Nilsen/Hennum gegründet. Normalerweise gibt es in einem Ort nur einen „Dorfkönig“. Nicht so in Å. Dort gibt es deshalb alles doppelt: zwei große Herrenhäuser, zwei Lebertran-Kochereien usw.

Ein Teil des Museumsdorfs ist im Privatbesitz der Nachkommen. Die mittlerweile sechste Generation der Familie Johan B. Larsen lebt mitten im Ort.

Norsk Fiskeværsmuseum

Das Dorf wird fast vollständig als Freilichtmuseum Norsk Fiskeværsmuseum betrieben wird, leben und arbeiten hier im Sommer Museumsführer, Bäcker und Handwerker, die die alte Fischereikultur lebendig halten.

Ausstellungen zeigen das Leben im Fischerdorf und die Entwicklung der Fischerei auf den Lofoten in den letzten 250 Jahren. Fischereihütten, Bootshäuser, Holzfischerboote und die 1850 gegründete älteste Fischölfabrik Europas vermitteln ein lebendiges Bild der Vergangenheit des Dorfes.

Europastraße 10

In Å endet – oder beginnt – die Europastraße 10. Die Straße verläuft über 880 Kilometer von Luleå in Schweden quer über das skandinavische Festland und die gesamte Inselkette der Lofoten. Sie endet an einem großen Parkplatz in Å abrupt vor den rauen Felswänden und dem offenen Atlantik.

Touristen nutzen die Verkehrsschilder auf dem Parkplatz, um Aufkleber aus ihrer Heimat anzubringen. Sie dokumentieren, dass Reisende aus aller Welt zum Ende der Welt gelangt sind.

Tunnel unter dem Meeresspiegel

Auf der Fahrt über die Europastraße 10 nach Å fährt man durch einen ungewöhnlichen Tunnel: Der Nappstraumtunnelen verbindet die Inseln Vestvågøya und Flakstadøya und verläuft bis zu 63 Meter unter dem Meeresspiegel. Er wurde im Jahr 1990 eröffnet. Der Tunnel wurde durch das Gestein gesprengt und verfügt über keine durchgehende Beton-Innenschale. Von der Decke tropft Sickerwasser aus dem Meer, das salzhaltige Spuren auf den Fahrzeugen hinterlässt.

Unterwegs

Gimsøystraumen-Brücke

über den 18 Kilometer langen Gimsøystraumen

Gipfel des Navaren und des Merraflestinden

am Djupfjorden

Olstinden

am Reinefjorden

Europastraße 10

am Skjelfjorden

Danke

für den Besuch des Flakstad-Strands

Landschaft in Borg

beim Wikingermuseum

Zitate aus: Johan Bojer, Die Lofotfischer, Roman, 1924, E. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung München


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Kapitol in Havanna
Geirangerfjord
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